Urbane und ländliche Räume, öffentliche und private, offene und geschlossene, über- füllte und verlassene Räume, Zentren und Peripherien, Schubladen, Schränke und Ablage- fächer, Büro,- Arbeits-, Wohn- und Spielräume bilden Ordnungssysteme und -muster, die Geschlechter und Sexualitäten in zentraler Weise in /formieren wie auch von diesen in /formiert werden.
un:verblümt NO.2 fragt nach diesen Wechselwirkungen zwischen Geschlechter- und Raumphänomenen. Wie gestalten sich gegenwärtige Konfigurationen von Raum, Geschlecht und Sexualität konkret? Welche Formationen ermöglichen und verunmöglichen sie? Welche Rolle spielen dabei unterschiedliche ästhetische Strategien und Technologien der Bild-, Ton- und Phantasieproduktion? Schreiben sich hier hegemoniale Ordnungen von Geschlecht und Sexualität fort oder werden sie transformiert und verschoben? Und wie lässt sich in solche Ordnungsmuster kritisch intervenieren?
Diesen Fragen geht die Ringvorlesung in Vorträgen und Workshops aus unterschiedlichen disziplinären und künstlerischen Perspektiven nach. Denn wenn in Kunst und Forschung der 1970er Jahren Theorien und Betrachtungsweisen dominierten, die sowohl Geschlechter und Sexualitäten als auch Räume als relativ fixe dichotom angeordnete Größen (weib- lich/männlich, öffentlich/privat, homo/hetero) betrachteten, sind diese in Bewegung geraten.
Vor dem Hintergrund der Globalisierung, der Entwicklung neuer Technologien und einer damit verbundenen zunehmend schnellen Zirkulation von Gütern, Menschen, Texten und Bildern, sowie im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen auch durch die Politiken sozialer Bewegungen, gewinnen Fragen nach der Verfügungs- und Gestaltungsmacht von und in Räumen neue Brisanz. Längst kann nicht mehr von einem einfachen Ausschluss von Frauen aus dem öffentlichen Raum oder einer massiven Heimlichkeit von schwulen und lesbischen Lebensweisen die Rede sein – „Coming Out“ statt Schrank (closet).
Und doch existieren Ausschlüsse weiter fort, schreiben sich in die Gestaltung und Nutzung von Räumen nach wie vor heteronormative Norm- und Idealvorstellungen ein, werden Grenzen gezogen und Territorien abgesteckt. An diesen Gestaltungsprozessen, in denen alte Ordnungsmuster transformiert, verunsichert und /oder neu festgeschrieben, Grenzen verschoben, überschritten und gesichert werden, gilt es ein Stück weit mitzuarbeiten, teilzuhaben oder auch kritisch hinein zu intervenieren – mit Theorien und Analysen, aber auch mit Spaß, Humor und Technologien.

Kontakt: j.hoenes@hfk-bremen.de